Der Wirkungslotse

Bis 2035 gehen die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand. Allein in Deutschland werden jedes Jahr rund 1 Million Menschen zu Rentnern oder Pensionären. Der demographische Wandel verschärft somit den Fachkräftemangel, denn viel Wissen und Erfahrung gehen verloren. Gleichzeitig müssen in Bezug auf den Klimawandel viele der notwendigen Transformationen unserer Gesellschaft und unseres Wirtschaftssystems eingeleitet bzw. umgesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund findet sich in der Satzung unseres Vereins M.A.R.S. 2035 folgende Formulierung (§ 2, Absatz (3): "Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch: ...  den Aufbau eines datenbankgestützten Pools an Fachkräften zu den §2 (1) genannten Zwecken, damit vorhandene Fach-, Sach- und Methodenkompetenzen ehrenamtlich mit geplanten oder existierenden gemeinnützigen Projekten und Initiativen zusammengebracht werden können.

Diesen Zweck setzen wir im Rahmen der Klimaboomer-Initiative um.

Ein wichtiges Instrument ist dabei ein durch Mentorinnen und Mentoren und durch KI unterstütztes Matching-System. Wir haben es "Wirkungslotse" genannt.


Die Weiterentwicklung eines ersten Prototypen wird im Jahr 2026 durch die Niedersächsische  Bingo-Umweltstiftung gefördert.


Der Wirkungslotse – Was ist das und wie kann ich es nutzen?

Viele Menschen suchen mit dem Eintritt in den Ruhestand nach sinnvollen Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement, jedoch nicht unbedingt dauerhaft oder in klassischen Vereinsstrukturen. Gemeinnützige, kirchliche und kommunale Organisationen wiederum haben oft gute Projektideen, aber keine Personalabteilung, die Kompetenzbedarfe systematisch analysiert, Rollen beschreibt und passende Personen gezielt anspricht.

 

An dieser Schnittstelle setzt der Wirkungslotse der an, ein digital und menschlich unterstütztes System, das Menschen mit konkreten Kompetenzen mit den Kompetenzbedarfen von  Klima-, Natur- und Umweltprojekten zusammenführt. Dabei geht es nicht nur um „Mitarbeit“ (das auch), sondern vor allem um eine genauere Klärung, welche Aufgaben in einem Projekt anstehen, welche Kompetenzen dafür gebraucht werden und welche Menschen diese Kompetenzen mitbringen, und sie unter bestimmten Rahmenbedingungen auch projektbezogen einbringen möchten.

Der Wirkungslotse besteht aus drei miteinander verbundenen Modulen:

  • Kompetenz-Navi: strukturierte Erfassung individueller Kompetenzen (Skills), Erfahrungen und Interessen von Klimaboomern;
  • Projekt-Kompass: Identifikation und Präzisierung projektbezogener Aufgaben und Kompetenzbedarfe;
  • Matcher: kompetenzbasiertes Zusammenführen von Klimaboomern und Projekten.

Das verbindende Element ist eine gemeinsame „Kompetenz-Sprache“: die Skill-Taxonomie.

Sie umfasst aktuell rund 700 Skills in Fach- und Querschnittskategorien, etwa Klima, Energie, Wasser, Naturschutz, Kommunikation, IT, Verwaltung und Projektmanagement. Sowohl die Kompetenzen der Klimaboomer als auch die Bedarfe der Projekte werden auf diese Taxonomie abgebildet. Dadurch entsteht eine gemeinsame Referenzebene für das Matching.

Das klingt aufwendig und komplex und das ist es auch. Aber nur im Hintergrund!

Auf der Anwenderebene ist es relativ einfach, denn KI-gestützte Verfahren helfen dabei, kurze Freitexte zu strukturieren, Skills vorzuschlagen und Matching-Vorschläge vorzubereiten.

Der Wirkungslotse ist kein vollautomatisiertes System. Relevante Entscheidungen bleiben bei Menschen; manuelle Auswahl- und Korrekturmöglichkeiten sind ausdrücklich vorgesehen (Human in the Loop). Onboarding, Projektanalyse und Matching werden durch Mentor:innen begleitet.

Wie unterscheidet sich der Wirkungslotse von klassischen Freiwilligenplattformen? 

Er bleibt auf der Anwendungsebene möglichst niederschwellig, geht fachlich aber deutlich tiefer. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Engagementbereitschaft und Einsatzorte, sondern konkrete Kompetenzen, Aufgaben und Projektbedarfe, die mit Hilfe der speziellen Taxonomie und der KI menschliche Entscheidungen unterstützen und vorbereiten.

Den Wirkungslotsen einsetzen

Interessierte Organisationen können den Wirkungslotsen für ihre eigenen Projekte nutzen. Idealerweise erfolgt dabei sowohl ein „Onboarding“ eigener Mitglieder mit dem Kompetenz-Navi als auch die Ausarbeitung eines oder mehrerer Projekte. Dafür genügt eine sehr kurze Beschreibung der Projektidee. Der Projekt-Kompass macht sichtbar, welche Aufgaben und Kompetenzbedarfe sich daraus ergeben. Anschließend zeigt der Matcher an, ob bzw. in welchem Umfang die benötigten Kompetenzen im Kreis der eigenen Mitglieder vorhanden sind und ob es außerhalb dieses Kreises Menschen gibt, die Kompetenzlücken schließen könnten.