Hürden

Wollen alle, dass das Klima geschützt wird?

In Umfragen vielleicht. Im konkreten Handeln nicht. Offensichtlich sind die Gefahren des Klimawandels immer noch nicht konkret genug (wer weiß, was in 30, 50 oder 100 Jahren wirklich ist ...). Sie werden daher oft verdrängt, unterschätzt oder ignoriert. In Verbindung mit Zeitmangel und Gewohnheiten sind die meisten Menschen überfordert (nicht ich, nicht jetzt, nicht so).



Ja, aber Niemand will etwas bezahlen

Doch. Manche Menschen tun etwas und manche bezahlen auch. Aber eben nicht genug!

Viele Menschen (insbesondere in Deutschland) glauben, für eine klimagerechte ökologisch-soziale Transformation zu sorgen sei Sache des Staates. Wissen und Geld sei vorhanden, allein, es fehle der politische Wille. Tatsächlich könnte der "Impact" durch die Politik sehr groß sein. In der Realität geht das aus zahlreichen Gründen viel zu langsam. Einer der Gründe ist das bekannte "Bürger-Politiker Dilemma":

  • Bürger ändern ihren Lebensstil, wenn die Politiker dazu die Rahmenbedingungen schaffen.
  • Politiker schaffen nur dann die Rahmenbedingungen, wenn die Bürger dies mehrheitlich unterstützen.

Andere Menschen glauben, zuerst müsse man an sich selbst arbeiten (willst Du die Welt verändern, dann ändere Dich zuerst selbst). Auch das ist richtig. Es kann sogar schnell gehen. Aber der "Impact" einer einzelnen Person ist, von Ausnahmen abgesehen, eher gering. Wirkung entsteht erst, wenn sehr viele Menschen ihr Verhalten gleichsinnig ändern.

Wieder andere Menschen sehen die Verantwortung vor allem bei den Unternehmen, sind aber in der Regel selbst nicht bereit, die erforderlichen Umstellungskosten über höhere Preise mit zu tragen.


Wenn uns die wahre Rechnung präsentiert wird ...


Die meisten Unternehmen (noch) nicht bereit, auf einen (kleinen) Teil ihrer Rendite zu verzichten, um dieses Geld in die notwendige Transformation zu mehr Nachhaltigkeit zu investieren.

Schließlich gibt es auch noch viele Menschen, die in einen "Notfallmodus" verfallen (Flucht: "Wird schon nicht so schlimm werden", Kampf: "Fuck Greta" oder Erstarrung: "da kann man eh nix machen").

Auch die aus der Soziologie bekannten "gaps" (also Lücken) spielen eine wichtige Rolle, z.B. das Phänomen, dass wir uns oft entgegen besseren Wissens "falsch" verhalten (knowledge - behaviour gap).

Einige der Folgen im gesellschaftlichen Alltag sind:

  • Gute Ideen erhalten zu wenig Unterstützung (Geld, Know-how, Bearbeitungskapazitäten).
  • Genehmigungsverfahren sind nicht "innovationsfrundlich" genug.
  • Wer Umweltkosten weiterhin "externalisiert" hat Wettbewerbsvorteile.

Wir wollen nicht,  das das so bleibt!



Es ist zu hoffen, dass die Industrie wie die Politik begreifen, dass wir mit dem Klimaschutz zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können: ein Umweltproblem bewältigen, aber auch ein Wirtschaftsprogramm auflegen.

Jo Leinen, Vorsitzender des Umweltausschusses im Europaparlament, Interview Neue Energie, Juli 2011